Das Paradox der Ablehnung der Abtreibung in der rechten Politik

Von Vishal Wilde

 

Die Rechtsorientierten sind in der Regel offensichtlicher gegen Abtreibung. Falls sie doch damit übereinstimmen, ist dies nur einigermaßen, z.B. ungeplant schwanger werden infolge einer Vergewaltigung oder des Inzests. Andererseits scheint es in der linken Szene verbreiteter zu sein, die Abtreibungsrechte zu fördern. Wie kann man die Ablehnung der Abtreibung in der rechten Politik besser verstehen und mit ihren Anhängern zusammenarbeiten, um den Sachstand für jeden zu verbessern? Die Rechte der Reproduktion sind umstritten und hochemotional. Es wäre günstig, wenn man die „typische“ Perspektive einer „typischen“ rechtsorientierten Person verstehen könnte, der auch gegen Abtreibungsrechte ist. (Bitte den Autor entschuldigen wegen Vereinfachungen, Verallgemeinerungen und Stereotypen.)

 

Zunächst einmal kann man behaupten, dass viele Anhänger des politischen Rechts versuchen, vor einem Verstoß gegen die Rechte des ungeborenen Kindes zu schützen. Viele behaupten, der Fötus sei schon ein Lebewesen. Die meisten Linksstehenden legten diese Behauptung aus wissenschaftlichen Gründen wider. Um den Standpunkt der Gegner zu verstehen und dabei den Sachstand für jeden zu verbessern, muss man sich die Argumente der Gegner auseinandersetzen.

 

Angenommen, dass der Fötus bzw. das ungeborenen Kind schon ein Lebewesen sei, wird es schon nachvollziehbar, warum viele denken, dass die Abtreibung sowohl ein abscheulicher Verstoß gegen die Freiheit als auch eine groteske Ungerechtigkeit sei. In Anbetracht dieser Perspektive geht es nicht darum, dass manche Menschen die Abtreibungsrechte einschränken wollen, weil sie die körperliche Autonomie einer Frau nicht respektieren, sondern, dass sie eventuell die Anzahl von Abtreibungen wegen des brutalen Mordes der ungeborenen Kinder verringern wollen mögen.

 

Deshalb muss man untersuchen, warum so viele Frauen, die ungeplant schwanger werden, es für notwendig halten, die Schwangerschaft abzubrechen. Zum Beispiel stehen zunächst einmal viele Frauen, die es überlegen, abtreiben zu lassen, unter gesellschaftlichen und familialen Druck, ein außerehelich geborenes Kind zur Welt bringen. Linda Lowen von ThoughtCo schrieb:

 

Laut einigen Studien, die im Verlauf der Jahre von dem Guttmacher Institute durchgeführt worden sind, kommen ähnliche Antworte von Frauen immer wieder vor, bei denen es ermittelt wird, warum sie entschieden haben, abtreiben zu lassen. Die meistzitierten Gründe, warum die Frauen das Geburt nicht durchziehen konnten, waren:

 

  • Eine negative Auswirkung auf das Leben der Mutter
  • Finanzielle Instabilität
  • Beziehungsprobleme/keine Lust, alleinerziehende Mutter zu werden

 

Die zweite Problematik (finanzielle Instabilität) könnte man mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen lösen. Doch der dritte Grund (Beziehungsprobleme/keine Lust, alleinerziehende Mutter zu werden) stammt einigermaßen aus gesellschaftlichen Stigmata. In den meisten Fällen kann man diese Stigmata und gesellschaftlichen Schwierigkeiten auf den gesellschaftlichen Konservatismus zurückführen, da hier werden Auffassungen von dem Familienleben und von der sexuellen Selbstständigkeit (z.B. Eine Frau solle keine Mutter außerhalb einer Ehe werden, eine Frau sei unmoralisch oder verantwortungslos, wenn sie außerehelich Sex mit jemanden Geschlechtsverkehr hat oder schwanger wird, ein Kind bräuchte sowohl einen Vater als auch eine Mutter, um richtig aufzuwachsen.) Deshalb erhöhen die gesellschaftlichen, konservativen, vorgefassten Meinungen, die oft weltweit von den Rechtsorientierten geäußert werden, die wahrgenommene Notwendigkeit von Abtreibungs-Services für Frauen, die ungeplant schwanger werden.

 

Wichtig auch hervorzuheben ist, dass die Pflegeunterbringung und die Möglichkeit, Kinder zur Adoption freizugeben, in vielen Rechtssystemen beschränkt sind. Man kann auch nicht gewährleisten, dass die Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, auskömmlich betreut werden. Dies kann man auf die Idee zurückführen, dass es eine ‚bionormative’ Darstellung von der Elternschaft und der Familie, da Sozialnormen genetische und biologische familiale Beziehungen privilegieren und erhöhen. Diese Normen müssen hinterfragt werden.

 

Bevor wir die Rechtsorientierten als uneinsichtig abtun, können wir uns eventuell die Problematik aus ihrer Sicht anschauen und dann versuchen, sie davon zu überzeugen, dass bestimmte Einstellungen (unabhängig von ihren Gedanken zum Thema Abtreibung) dazu führen können, dass Frauen eventuell wegen dieser Einstellungen geneigt sind, abtreiben zu lassen. Wenn wir es den gesellschaftlich konservativ geprägten Menschen klar sagen, dass ihre eigene gesellschaftliche Einstellungen und Konservatismus, die andere Leute bedrohen und (geringfügig) ausschließen könnten, die Problematik verschlechtern, können wir uns bemühen, den Sachstand für jeden zu verbessern.

 

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